Zeitzeugin der DDR-Diktatur und Buchautorin


Es ist unwichtig, was uns unsere Eltern mitgegeben haben,
sondern was wir heute damit anfangen
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Über mich 

Ich, Manuela Keilholz, wurde 1960 geboren. Ich bin in einem linientreuen Elternhaus aufgewachsen und wurde im Alter von ca. 2 bis 6 1/2 Jahren in einem Wochenheim betreut und somit von frühester Kindheit an, sehr sozialistisch erzogen, was auch im Sinne meiner Eltern war. Erst mit knapp 7 Jahren lernte ich meine Familie wirklich kennen und bemerkte wie fremd sie mir doch war.

Ich beendete die 10. Klasse der POS mit sehr gutem Abschluss und erlernte den Beruf Facharbeiter für Fernschreibverkehr auf Anraten meiner Mutter, die mich mit der sehr kurzen Lehrzeit lockte. Obwohl ich eigentlich Kindererzieherin werden wollte, folgte ich dem erneuten richtungsgebenden Rat meiner Mutter und wechselte nach Abschluss der Lehre 1980 in den Staatsdienst der DDR. Ich wurde nie Befehlsempfängerin und begann eine Tätigkeit als Sachbearbeiterin bei der Kriminalpolizei.

Nach dem Wegfall der innerdeutschen Grenze war ich psychisch am Boden. Ich verstand die Welt nicht mehr. Ich zog mich sofort aus dem politisch aktiven Leben und allen gesellschaftlichen Aktivitäten, für die ich zuvor all meine Kraft gegeben hatte, zurück und fand in meiner Tochter, die genau in dieser Nacht des Mauerfalls geboren wurde, meinen einzigen Lebenssinn.

Ich machte alles dicht und ging freiwillig aus dem Staatsdienst und begann eine Umschulung zur Kauffrau für Bürokommunikation, um außerhalb des Öffentlichen Dienstes tätig zu werden. Zu groß die Enttäuschung, zu groß die Unsicherheit und Angst vor dem, was jetzt kommen würde.

Erst 2011 begann ich eine Psychotherapie und mit ihr die Reflexion meines Lebens. Nach und nach wurde mir klar, wie sehr ich in diesem System indoktriniert war und wie sehr mein Geist manipuliert wurde. Ich begann Fragen zu stellen, doch niemand wollte darüber reden. Weder in der Familie noch im persönlichen Umfeld.

2015 habe ich meinem bisherigen Umfeld den Rücken gekehrt und neue, wahre Freunde gefunden. Ich lernte Gerd Keil, der 1986 wegen Fluchthilfe verraten, verhaftet und 1989 durch die Bundesrepublik freigekauft wurde, kennen. Sein Buch und das von Ruth Hoffmann "Stasikinder - Aufwachsen im Überwachungsstaat" bestimmten mein ganzes weiteres Leben. Bei ihnen fand ich Antworten, die mir niemand geben wollte.

So entstand zwischen Gerd Keil und mir eine Liebesbeziehung, die es zu Ostzeiten nie gegeben hätte. Durch ihn und in meinem neuen Leben, dass ich 2015 in Niedersachsen begann, konnte ich mich frei machen von alten Verhaltensweisen und mein tief vergrabenes SELBST zurückholen.

Ich bereue nicht, diesen steinigen und schweren Weg gegangen zu sein. Ich habe ein neues Leben in einer neuen Welt und auf diesem Weg „Gott sei Dank“ auch einen Zugang zum christlichen Glauben gefunden.  

Ich bin Oma geworden und überaus stolz auf meine Enkelin Tamika

Am 14. April 19 gebar meine Tochter Sandra eine kleine süße Tamika und ich bin so überwältigt von diesem wunderbaren Zauber der Natur. Ich musste sie einfach sehen und als neue Erdenbürgerin auf dieser Welt persönlich begrüßen. So fuhr ich etwa 24 Stunden nach ihrer Entbindung 320 Kilometer mit dem Zug nach Berlin und überraschte meine Tochter mit meinem unangemeldeten zweistündigen Besuch.

Es war so wunderbar, die tiefe und innige Liebe der jungen Eltern zu erleben und Tamika mit meinen Händen zärtlich berühren zu können. Zu gern hätte ich sie schon mal in den Arm genommen, doch hielt ich mich zurück, denn schließlich hat die Kleine erst mal die vielen Eindrücke ihrer Geburt und ihre neue Welt zu verarbeiten. Diese ersten Stunden sind wichtig für die Eltern-Kind-Beziehung und sollten auch nur ihnen gehören.

Ich bin überaus glücklich und stolz Oma geworden zu sein. Eine junge Familie, die für mich als meine Familie wichtig ist. Ich bin sehr zuversichtlich, dass Sandra, Franco und die kleine Tamika ihren eigenen Rhythmus finden und dieses liebreizende hübsche Mädchen ihre ganze Liebe schenken werden. Mit unseren Gedanken werden Gerd und ich immer bei ihnen sein und die vielen Kilometer, die zwischen uns liegen, werden für uns dabei unbedeutend.

Trotz dieses großen Glückes im HIER und JETZT der auch unser Leben verändern wird, gibt es immer wieder Tage, an denen ich mich in alten Verhaltensweisen wieder finde, die ich dank der vielen Freunde, die mir in meinem bisherigen Leben fehlten, überwinden kann. Gespräche mit Pastoren, Christinnen und vielen Menschen, die einfach nur zuhören können, prägen mich heute in einer ganz besonderen Weise, die mich glücklich machen. Wenn die Traurigkeit über meine Mutter und ihrer Lieblosigkeit mir gegenüber mich wieder einholt und die nicht heilenden Wunden zu schmerzen beginnen, dann sind hier Menschen, die mich begleiten und mit denen ich darüber reden kann. Das verändert meinen verhärteten Blick auf die Dinge, die nicht zu ändern sind und ich kann wieder beruhigt nach vorn blicken und mein heutiges Leben gestalten.

Ich weiß noch nicht, in wieweit ich meiner Mutter verzeihen kann, aber immer wieder lese ich auch Berichte über die Traumata bei den Kriegskindern, zu denen ja auch meine Mutter gehört hat. Das relativiert dann wieder meine unendlich tiefe Wut gegen sie, die ich früher ausschließlich nur gegen mich selbst richtete.

Es kommt vielleicht auch mein Tag, wo ich meine Lasten und die vielen Verletzungen loslassen kann, in dem ich sie ans Kreuz ablege.