Zeitzeugin der DDR-Diktatur und Buchautorin


Es ist unwichtig, was uns unsere Eltern mitgegeben haben,
sondern was wir heute damit anfangen
.

Hinweise zur Antragsstellung

Sie können beim BStU einen Antrag auf Einsicht, in die vom MfS zur eigenen Person geführten Unterlagen stellen (Antrag eines Betroffenen).

Wenn Sie vermuten, dass sich in Unterlagen Informationen zu Ihnen befinden, die die Stasi zu anderen Personen anlegte (z.B. zu Ihren Eltern), können Sie beantragen, dass auch in diesen Akten recherchiert wird (Antrag als Dritter). Der BStU benötigt für diese Recherchen verschiedene Daten der anderen Person, um die entsprechenden Akten finden zu können. Auch hier bekommen Sie als Antragssteller*in nur die Informationen, die das MfS zu Ihnen anlegte.

Die Möglichkeit zur Einsichtnahme in MfS-Unterlagen mit Informationen zu anderen Menschen (z.B. den Eltern) ergibt sich für Privatpersonen nur aus §15 Stasi-Unterlagen-Gesetz (StUG) als nahe Angehörige eines Vermissten oder Verstorbenen. Da Sie als Angehöriger nicht in die Rechte des Verstorbenen eintreten, sondern ein eigenes Zugangsrecht haben, muss bei Anträgen nach §15 StUG ein berechtigtes Interesse an der Akteneinsicht dargelegt werden, das sich  auf den in §1 StUG genannten Gesetzeszweck bezieht. In der Tat ist die Formulierung eines solchen Interesses manchmal nicht ganz einfach. Aus diesem Grund und auch um viele weitere Fragen von Rat- und Hilfesuchenden zu den Möglichkeiten der Antragsstellung zu beantworten, bietet die Stasi-Unterlagen-Behörde eine Bürgerberatung an. Diese ist per Mail erreichbar unter post@bstu.bund.de; telefonische Anfragen sind unter (030)23247000 von Mo.-Do. von 08.00 Uhr bis 17.00 Uhr und Freitags von 08.00 Uhr bis 14.00 Uhr möglich. Unter Umständen ist die Vereinbarung eines Telefontermins zweckmäßig.

Auf welche Weise am besten Informationen zum eigenen Schicksal anhand von Stasiunterlagen zu bekommen sind, erläutern die Mitarbeiter*innen des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen.

Den Link zum Herunterladen des Antragsformulars finden Sie ganz unten.

  Hinweis für blinde und sehbehinderte Menschen

Um Ihnen die Hinweise zum Antrag auf Akteneinsicht und den Antrag selbst in einer für Sie wahrnehmbaren Form zugänglich zu machen, hält der Bundesbeauftragte diese Unterlagen in Blindenschrift bereit. Die Hinweise zum Antrag stehen auch als Audiokassette zur Verfügung, damit Sie sich vor einer Antragstellung auszugsweise über die rechtlichen Grundlagen gemäß StUG informieren können. Bei Bedarf setzen Sie sich bitte mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Zentralstelle in Berlin oder in den Außenstellen in Verbindung.
Trotz dieser Informationsmöglichkeiten ist es erforderlich, dass Ihr Antrag auf Akteneinsicht den allgemeingültigen Formerfordernissen genügt, also in der so genannten Schwarzschriftform von Ihnen eingereicht wird.

Persönliche Akteneinsicht: Hier

Warum stellte ich einen Antrag auf Akteneinsicht?

Ich erlebte den Mauerfall zunächst nicht als freudiges Ereignis. Er nahm mir meinen ganzen Lebenssinn. Ich verstand die Welt nicht mehr, denn ich wurde 1960  in dieses sehr indoktrinierende System hineingeboren und hatte ein sehr linientreues Elternhaus, welches sehr abgrenzt vom Umfeld gelebt hatte, sehr zurückgezogen und ohne Kontakte zu anderen Menschen. Selbst Verwandtenbesuche waren höchst selten.

Meine Mutter war Angehörige der Deutsche Volkspolizei und mein Vater zuletzt in einem VEB über viele Jahre als stellvertretender Parteisekretär tätig. Er war immer sehr überzeugt und war ein sehr guter Agitator und Propagandist. Ich übernahm seine Ideale, weil er es sehr gut verstand, mir die Politik der SED verständlich zu erklären. So war ich dann auch aus tiefer Überzeugung in die Partei eingetreten und habe meine Mitgliedschaft erst nach dem erwiesenen Wahlbetrug 1989 beendet. Ich entzog mich seit dem jeder politischen Aktivität, die zuvor mein ganzes bisheriges Leben bestimmten. Keine Tagespresse, keine Nachrichten und keine Parteizughörigkeit. Mein einziger Lebensmotor - meine Tochter die in der Nacht des Mauerfalls, am 10.11.1989 um 00.01 Uhr auf die Welt kam.

Ich öffnete mich erst 2012 ganz zögerlich wieder der Politik und wollte wissen, warum die DDR untergegangen war und warum man die DDR als Unrechtsstaat bezeichnete. Ich besuchte das Stasigefängnis in Berlin Hohenschönhausen sofort als ich erfuhr, dass es mitten in Berlin ein solches Gefängnis gab, in dem man ausschließlich Andersdenkende eingesperrt und diese systematisch psychisch krank gemacht hat. Was ich dort zu sehen bekam, erschütterte mich so tief, dass mir übel wurde. Übel deshalb, weil es alles im Auftrag meiner Partei geschah. Nun wollte ich immer mehr wissen, weil ich es nicht fassen konnte, wie die Partei der „Arbeiterklasse“  die Menschenrechte mit Füßen trat und Menschen, die eigentlich nur für mehr Freiheit und Demokratie im Land eintraten, einsperrte, mit sehr fiesen Zersetzungsmaßnahmen seelisch kaputt spielte und diese Menschen  zu guter Letzt gegen Devisen in den Westen verkaufte.

Dann las ich viele Bücher über die Stasi und interessierte mich für Zeitzeugenberichte, weil diese mir vertrauenswürdiger erschienen. Ich las das Buch von Ruth Hoffmann "Stasi-Kinder. Aufwachsen im Überwachungsstaat" und zeitgleich die Autobiografie von Gerd Keil Reise durch mich“ (Verraten, verhaftet und verkauft). Diese beiden Bücher bahnten dann meinen Weg zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Ich musste mich völlig neu orientieren und alles neu betrachten, wie es damals wirklich war und ich bemerkte, wie blind ich war und wollte nun wissen, warum ich nicht fähig war, dass zu sehen, was in der DDR alles passierte. Irgendwann entdeckte ich viele Parallelen der im Buch von Ruth Hoffmann geschilderten Leben der Stasikinder.

Dies weckte dann auch mein Interesse in meine Akte zu sehen. Während der Antrag auf Akteneinsicht lief, starb dann mein Vater und so dachte ich mir, auch gleich noch den Antrag auf Akteneinsicht in seine Akte zu stellen. Meine Motivation dafür war, dass ich wissen wollte, ob auch er Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes war und hoffte bis zu Letzt, dass es nicht so war. Ich fühlte mich zwar irgendwie schlecht, hatte wieder Schuldgefühle weil ich gegen meinen Vater ermittelte. Aber ich sah keine andere Möglichkeit mehr, die mir fehlenden Antworten, über das warum und wieso zu bekommen. Aus den Akten erfuhr ich dann erstmals, dass mein Vater nicht nur sehr linientreu die Politik der Partei vertreten hatte, sondern auch 16 Jahre für den Staatssicherheitsdienst als GMS, gesellschaftlicher Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes, gearbeitet hat. Dies hatte mich sehr getroffen. Ich wollte es nicht glauben, dass seine Überzeugung soweit ging, dass er alle Andersdenkende als Gegner und Feinde der DDR sah und diese wahrscheinlich auch als Feinde des Sozialismus bekämpfte.

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Lesen Sie mehr in meiner Autobiografie „Die DDR, meine Familie und ich“, welche bereits im Handel erhältlich ist.

Ich hoffe auch Ihnen Mut gemacht zu haben, Ihre Akteneinsicht zu beantragen, auch wenn Sie bisher glauben, es gäbe keine Akte über Sie. Es könnte sich dann doch erweisen, dass die Staatssicherheit auch über Sie eine Akte geführt hat. Sie dürfen mich auch gern kontaktieren, falls Sie in diesem Zusammenhang irgendwelche Fragen oder Bedenken haben. Es würde mich sehr freuen.